NECRONOMICON (for Legacy #131)

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Prepared by Christian Wachter (for Legacy #131)

 

INTERNATIONALER UND WUCHTIGER

Mit runderneuerter Besetzung und düstereren Texten kommen die deutschen Kult-Thrasher NECRONOMICON anno 2021 daher und legen mit „The Final Chapter“ ihr zehntes Studioalbum vor. Trotz aller Veränderungen hat die Formation jedoch ihren unverkennbaren Stil bewahrt, zumal Sänger und Gitarrist Freddy nach wie vor zu 100% die Songs schreibt.

 

 

Das einzige verbliebene Gründungsmitglied der Band bezeichnet 2020 indes als das schrecklichste Jahr sei- nes Lebens. „Innerhalb von zwei Tagen verlor ich meine Eltern durch Corona, und auch ich hatte damit zu kämpfen. Das legt dich erst einmal lahm, auch was die geplanten Aufnahmen des neuen Albums anbelangte. Die Drums wurden zum Glück bereits im Dezember 2019 eingespielt, und so konnten wir dann, nachdem ich den Schock einigermaßen verdaut hatte (obwohl das wohl nie richtig weggehen wird), im August endlich weitermachen. Ur- sprünglich wollten wir das Album ja im April 2020 zum Europatour- neestart fertig haben Aber da erging es uns ja wie allen anderen auch: Nichts ging mehr.“ Dass sich Freddy auf „The Final Chapter“ oft unter Zuhilfenahme von Metaphern mit dem Thema Tod auseinandersetzt, stellt inso- fern in gewisser Hinsicht eine Ver- arbeitung seiner Erlebnisse des vergangenen Jahres dar. Der Titel der neuen Scheibe wirkt indes, als ob die Band nach dieser Platte zu Grabe getragen werden sollte. „Um ehrlich zu sein, hatte ich letztes Jahr den Gedanken ans Aufhören. Noch diese Scheibe, und dann ist Schluss ... Ich konnte mich einfach nicht mehr motivie- ren. Wir werden sehen, was das neue Album bringt. Ich hoffe da auch sehr stark auf die Unterstüt- zung vom Label. Die abgesagte Europatournee wird, sobald sich die Lage da draußen verbessert, sofort nachgeholt, und dann wer- den wir sehen. Komplett aufhören kann ich sowieso nicht, dafür bin ich zu sehr Musiker und liebe diese Art Musik auch viel zu sehr. Wir werden sehen, was das Jahr 2021 so bringt.“ Wie eingangs und in der Rezension zur Scheibe bereits erwähnt, hat es zwei Besetzungs- wechsel im Vergleich zum letzten Album „Unleashed Bastards“ gegeben: Der US-Amerikaner Glen Shannon agiert mittlerweile an der Gitarre, und die Schlag- zeugstöcke schwingt niemand Geringeres als der Kanadier Rik Charron, der von 1996 bis 2014 bei Exciter aktiv war. „Letztge- nannten lernte ich 2017 auf unse- rer Europatournee kennen, als er uns mit seiner Band Dark Ministry supportete.

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Und irgendwie ist der Funke zwischen ihm und mir gleich übergesprungen. Nach- dem unser ehemaliger Drummer Chris uns auf der letzten Tour- nee beichten musste, dass er einfach nicht mehr kann (Knie und Gelenke), fragte ich kurzer- hand Rik, der sofort zusagte und nebenbei noch Glen mit an Bord holte. Der Einstieg von Rik war eine Win-Win-Situation: Er wollte unbedingt wieder Musik machen, und wir sind völlig fasziniert von seinem Drumstil. Außerdem ist er ein richtig sympathischer und ehrlicher Mensch, der vor allem auch menschlich zu uns passt. Das Gleiche gilt übrigens ebenso für Glen.“ Wenn Freddy Songs schreibt, errichtet er in der Regel immer erst ein Rohgerüst, sodass jeder seiner Mitmusiker genug Frei- raum innerhalb dieses Konstrukts bekommt, seine Ideen für sein Instrument einfließen lassen zu können. „Das hat auch dieses Mal hervorragend geklappt; und ja, durch die beiden Jungs klingen wir ‚internationaler‘ und auch wuchtiger. Ich bin megastolz auf dieses Album, das ist sehr wahr- scheinlich mein bestes gewor- den. Und selbst wenn das wohl jeder behauptet, der ein neues Album rausbringt, ist doch unsere Handschrift unverkennbar. Und das soll auch so bleiben. Ich hoffe einfach, dass ich mit meiner Art des Songwritings bei den Fans einen Punkt treffe, der einfach gefällt. Dafür macht man ja auch die Musik mit Leidenschaft und Hingabe und natürlich ebenso aus eigener Überzeugung, ohne dabei überheblich klingen zu wollen. Die Musikbranche ist eh schon brutal und gnadenlos. Da ist es umso schöner, etwas zurückzubekommen, wenn es den Leuten gefällt und auch honoriert wird.“ Wobei auffällt, dass NECRO- NOMICON schon immer ge- fühlt mehr Zuspruch im Ausland erhielten als hierzulande. Nach Touren in Südamerika und Charteinstiegen in Griechenland oder Spanien mutet es wie eine logische Konsequenz an, dass das Line-Up nunmehr quasi „international“ geworden ist. Dennoch sieht Freddy NECRONOMICON noch als deutsche Band: „Wir hatten schon immer ein biss- chen mit dem Phänomen des Propheten im eigenen Land zu kämpfen. Aber wir verstehen uns nach wie vor als eine deutsche Thrash-Metal-Band, allerdings mit internationaler Besetzung. Und ja, das Ausland nimmt uns schon anders wahr – warum dies so ist, ist mir nach 35 Jahren immer noch ein kleines Rätsel. Aber ich habe mich damit abgefunden und kann damit ganz gut leben. Zudem hoffe ich ein bisschen auf die Jugend und Generation, die den Metal jetzt für sich entdeckt.“ Mal eben so einen Spontan-Gig abzureißen dürfte für das transat- lantische Musiker-Bündnis schwie- rig sein. Tourneen müssen im Vorfeld schon lange geplant sein. „Das ist richtig. Wir haben immer die Herausforderung, die beiden Jungs rüberzuholen; es sei denn, wir spielen mal wieder in den USA. Das ist vor allem finanziell nicht so eben mal machbar, vor allem nicht für einen Gig. Die Europatournee steht aber: Sobald die Grenzen offen sind, könnten wir loslegen. Alle Veranstalter ziehen da mit, und wir haben zudem noch immense Nachfrage, sodass wir die Tour noch auswei- ten werden. Wann das aber der Fall sein wird, können wir leider nicht voraussagen.“

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